Hass statt "One Love"
Von: Redaktion Luzi-MDer "Chiemsee Reggae Summer" präsentiert auch 2012 homophobe und sexistische Live-Acts
Mit "Beenie Man", "T.O.K", "K.I.Z" und "Gentleman" zeigen die Veranstalter_innen des "Chiemsee Reggae Summer" (CRS) heuer erneut, dass sie die Kritik an Homophobie und Sexismus bei ihren Bands nicht anficht.
Seit Jahren kritisieren Medien, das autonome Rabatz-Bündnis, aber auch die Grünen die Veranstalter_innen des CRS wegen zum Teil extrem homophoben Künstlern, die regelmäßig auf dem Reggaefestival teilnehmen. 2010 mussten die Veranstalter_innen den Auftritt des schwulenfeindlichen Sängers "Sizzla" absagen, das autonome RABATZ-Bündnis protestierte vor dem Camp. 2011 sagte die Gruppe "Frittenbude" ihren Auftritt angesichts des homophoben Dancehall-Stars "Capleton", der ebenfalls auftreten sollte, ab.
In diesem Jahr zeigen die Veranstalter_innen erneut, was sie von der Kritik an ihren Live Acts halten: nichts. Auch 2012 wartet das CRS, das von 24. bis 26. August in Übersee am Chiemsee stattfinden wird, mit einigen Bands auf, die für hompophobe und/oder sexistische Texte bekannt sind.
Alte Bekannte
Als Hauptact ist heuer "Beenie Man" vorgesehen. Der Jamaikaner, der eigentlich Anthony Moses Davis heißt, darf heute zumindest als umstritten gelten. Nachdem er bis heute wegen zahlreichen Gewaltaufrufen gegen Homosexuelle (z.B. "I‘m dreaming of a new Jamaica, come to execute all the gays“) kritisiert (!) wird, hat er sich in diesem Jahr von selbigen distanziert: "I respect each and every human being, [...] regardless of which sexual preference you are, including gay and lesbian people". Die Leute sollten ihn nicht für 20 Jahre alte Texte verurteilen, so der 38jährige.
Das diese Distanzierung ernst gemeint ist, wird in der Szene bezweifelt. Vielfach wird vermutet, Bennie Man sei vor der LGBT Community "eingeknickt", um weiter Konzerte resp. Geschäfte in Europa und den USA machen zu können. Gegen den behaupteten Sinneswandel spricht auch ein Auftritt in Uganda 2009, bei dem er ausgerechnet in der ohnehin extrem homophoben Wahlkampfstimmung in einem Song forderte, allen Schwulen die Kehle durchzuschneiden.
Weniger umstritten, vielmehr offen homophob ist die Formation "T.O.K", die bereits 2009 auf dem CRS auftrat. "T.O.K." hatten 2001 für den Wahlkampf der jamaikanischen Partei JLP einen Song ("Chi chi man fi dead") eingespielt, in dem offen zur Gewalt gegen Schwule aufgerufen wird. Schon damals kritisierte unter anderem das Antisexistische Aktionsbündnis München die Veranstalter_innen.
"Eine riesige Lobby gegen eine kleine Szene"
Mit dem Kölner Sänger "Gentleman" holen sich die CRS-Veranstalter_innen passender Weise einen Verteidiger des homophobe Dancehall Reggae aufs Festival. "Gentleman" bzw. Tilmann Otto ist Kulturrelativist und meint, Homophobie gehöre nunmal zur Jamaikanischen Kultur, seit der weiße Mann die Bibel dorthin gebracht habe. In der "taz" sagte "Gentleman": "wir reden hier von einer anderen Kultur. Ich kann ja auch nicht Kondomautomaten im Vatikan aufstellen. Oder im Iran gegen Kopftücher protestieren. Genauso wenig kann ich etwas gegen die Homophobie auf Jamaika tun." Der Kölner ist wütend, weil hier "ein ganzes Genre kriminalisiert" werde. Da stehe "eine riesige Lobby gegen eine kleine Szene".
Nachdem es von derart homophoben Eskalationen wie bei "Beenie Man" oder "T.O.K." kein weiter Weg zum üblichen, heterosexuellen Sexismus ist und dass CRS vielleicht zeigen will, dass dies keine Domäne Jamaikas oder des Dancehalls ist, wurde heuer obendrein noch "K.I.Z" verpflichtet. "K.I.Z" (LP: "Sexismus gegen Rechts") fallen - neben schlechter Musik - vor allem durch extrem sexistische Gewaltphantasien, aber auch durch homophobe Vorstellungen auf. Beim Blog "Patsy l‘Amour laLove", der die Gruppe hinreichend behandelt, heißt es, einen Songtext zitierend:
"„nach dieser kassette sieht deine rosette aus wie ein autobahntunnel
der shit ist so dope das sogar die soko komat nach dem analsex sieht dein loch aus wie ein schokodonut“Analsex als anormale/verwerfliche Sexualpraxis alles klar, Analsex als Ursprung der Schwulenpest ein alter Hut und auch wie in diesem Zitat: Analsex als Bestrafung ausgehend von einem heterosexuellen männlichen Subjekt als Abgrenzung durch Verletzung des dadurch feminisierten und hierarchisch niedergestellten Objekts ebenfalls nix neues und eine ganz übliche Ausformung latent homophober Denke.
Um es also auf den Punkt zu bringen: K.I.Z. produzieren sexistische, heterosexuelle Mackertexte. K.I.Z. und ihre Texte abzufeiern bedeutet sexistische, heterosexuelle Mackertexte abzufeiern und sich somit offen zu dem Identifikationspotenzial in ihren Texten zu bekennen."
Es kommt also - wenn das Programm erneut den Kritiker_innen standhalten sollte - wieder alles zusammen auf dem "Chiemsee Reggae Summer 2012". Mackertum, Homophobie, Sexismus.
Die Bahn fährt alle
Und damit alle in den Genuß von "Sommer Sonne Schwulenhass Sexismus" kommen, fährt die Bahn Fans aus Süddeutschland kostenlos, aus München gar mit Sonderzügen zum Festival. Dass die Bahn auch die Teilnehmer_innen extrem reaktionärer Veranstaltungen kostenlos bzw. günstig transportiert, ist nicht neu. Zuletzt geriet das Unternehmen in die Kritik, weil es den diesjährigen "Marsch für das Leben", ein Umzug christlich-fundamentalistischer Abtreibungsgegner_innen mit einem verbilligtem Sonderticket unterstützt.
Es ist also auch in diesem Jahr mit Protesten gegen das Festival zu rechnen. Wie diese aussehen werden, wird demnächst u.a. beim RABATZ-Bündnis zu sehen sein.






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