Befreiungsfeier mit kleinen Provokationen
Von: Redaktion Luzi-MBis zu 150 Antifaschist_innen feierten am gestrigen Dienstag mit einer Demonstration den Tag der Befreiung. Neonazis versuchten diese unter Polizeischutz zu provozieren.
Antifaschist_innen feierten den 67. Jahrestag der Befreiung Europas von der NS-Barbarei gestern mit einer Demonstration vom Rindermarkt zum Gärtnerplatz. Dabei wurde einerseits allen Gegner_innen des deutschen Nationalsozialismus gedankt, andererseits auf das Weiterbestehen des Faschismus und auf die Notwendigkeit antifaschistischen Kampfes hingewiesen.
Dass mensch sich bei der Bekämpfung des Faschismus auf den Staat nicht verlassen könne, zeige sich am so genannten "Nationalsozialistischen Untergrund", der unter den Augen des Verfassungsschutzes 10 kaltblütige Morde begehen habe können, so einer der Beiträge.
Schon zum Auftakt versuchten Michael Stürzenberger (PI-News) und andere, die Demonstrant_innen am Rande der Kundgebung zu provozieren.
Während sie zunächst noch verjagt werden konnten, gelang es zwei Neonazis später mithilfe des Unterstützungskommandos der Polizei, sich neben der Kundgebung niederzulassen und Fotos zu schießen. Erst ein energisches Auftreten der Antifaschist_innen beendete die Provokation.
Später zog die Demonstration (nach längeren Diskussionen über das Zeigen von Israel- und Alliierten-Flaggen) unbehelligt durchs Glockenbackviertel zum Marienplatz.
Bereits in der Nacht zum 08. Mai beschädigten offenbar Nazis ein temporäres antifaschistisches Kunstwerk am Königsplatz, der in dieser Woche "Elisabeth-Castonier-Platz" heißt. Der Münchner Künstler Wolfram Kastner, der jedes Jahr mit einem Brandfleck an die Bücherverbrennung der Nationalsozialist_innen erinnert, hatte den am 3. Mai mit sechs Straßenschildern in Elisabeth Castonier Platz umbenannt.
Die Aktion steht im Zusammenhang mit der Kunstaktion „Brandspur München“ und der Lesung „München liest - aus verbrannten Büchern“, die am Donnerstag, den 10. Mai 2012 von 10 - 18 Uhr stattfindet.
Elisabeth Castonier war eine Schriftstellerin, die in München 1917 bis 1923 lebte und vor den Nazis nach England floh. Ihre Bücher wurden verbrannt und verboten. Sie starb 1975 in München und wurde auf dem Friedhof an der Maria-Ward-Straße beerdigt.
In ihrem Buch „Stürmisch bis heiter. Memoiren einer Außenseiterin“ schildert sie sehr persönlich die Münchner Lebensverhältnisse vom I. Weltkrieg bis zum Hitlerputsch, den Antisemitismus, die Bücherverbrennung und ihre Flucht aus Deutschland. Auszüge daraus sollten in Schulbüchern stehen. Das Buch ist nur noch antiquarisch zu bekommen. Bisher wurde keine Straße in München nach ihr benannt.
Am gestrigen 8. Mai stellten Kastner und Kolleg_innen fest, dass an einem Straßenschild die Erklärungstafel mit Gewalt abgebrochen wurde, zwei weitere Straßenschilder seien "samt den sehr schweren Haltern weit weg verschleppt" worden. Für Kastner "kein Unfug besoffener Rowdies, sondern ganz offenbar eine gezielte Straftat von Rechtsextremisten und Nazis."
Ergänzung: Für einen bekannten bayerischen Neonazi lief die Woche weniger erfolgreich. Wie die Süddeutsche Zeitung meldet, verurteilte das Amtsgericht Gemünden in Unterfranken den Führungskader des "Freien Netz Süd" und verurteilten Rechtsterroristen Martin Wiese heute wegen Volksverhetzung zu 21 Monaten Haft.







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