Mittenwalder Hakenkreuze geschwärzt
Von: Redaktion Luzi-MKnapp drei Jahre nach einer Kunstaktion und auf eine Anzeige des Künstlers hin hat die Staatsanwaltschaft München II die Hakenkreuzen auf den Gedenktafeln einer Mittenwalder Kapelle schwärzen lassen.
München/Mittenwald. Die Staatsanwaltschaft München II hat die Hakenkreuze auf den Gedenktafeln der Kriegergedächtnis-Kapelle in Mittenwald schwärzen lassen. Das erklärte der Münchner Künstler Wolfram Kastner am Dienstag. Nach jahrelangem Hin und Her begrüßt der Künstler, "die späte Einsicht [...], dass Hakenkreuze in diesem Land nichts zu suchen haben".
Vorausgegangen war eine dreijährige Auseinandersetzung. 66 Jahre lang störte sich in Mittenwald an den Hakenkreuzen in der Kapelle ebenso niemand, wie an den alljährlichen Treffen der Gebirgsjäger-Veteranen. Im Mai 2009 intervenierten Kastner und sein Kollege Frank Brendle am Rande der Proteste gegen das "Kriegsverbrechertreffen" mit einer Kunstaktion vor der Kapelle - und wurden festgenommen.
Im Februar 2010 erklärte das Amtsgericht München die Festnahme als "objektiv rechtswidrig", die Staatsanwaltschaft sprach von einem "bedauerlichen Missverständnis". Eine Diskussion um die Ausstellung der Hakenkreuze fand nicht statt. Im Gegenteil, so Kastner:
"Bisher gab es eine Mittenwalder Verteidigungslinie für die Hakenkreuze in der Kapelle hinter der Stadtkirche, die vom Bürgermeister über Pfarrer, Gebirgsjägerveteranen und einen Amtsrichter bis hin drohenden Leserbriefschreibern reichte."
In diesem Februar nun erneuerte der Bezirksrat der Linken, Dr. Klaus Weber die Forderung, die Hakenkreuze zu entfernen, was offenbar zu einiger Entrüstung in der Gemeinde führte. Noch Mitte Februar hatte der Direktor des Amtsgerichts Garmisch-Partenkirchen Christian Pritzl laut dem "Garmisch-Patenkirchner Tagblatt" "keinerlei Bedenken" gegen die Tafeln und sah die Sachlage "rechtlich vollkommen eindeutig".
Die Münchner Staatsanwaltschaft sieht dies offenbar etwas anders. Obwohl sie im Schreiben an Kastner Frage aufwirft, "ob solche Hakenkreuze nicht nach der Sozialadäquanzklausel (…) von vornherein straflos wären", verfügte sie nun die Schwärzung der Abbildungen.
Wolfram Kastner geht davon aus, "dass selbst in Mittenwald Hakenkreuze nicht „sozialadäquat“ (gesellschaftlich angemessen) sind und sein dürfen – auch wenn das ein paar ewig Gestrige gerne hätten." Der Künstler hofft, "dass die Hakenkreuze in Mittenwald und anderswo nicht wieder freigelegt werden."






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