Heraus zum Frauenkampftag 2012
Von: Redaktion Luzi-MOb friedlich oder radikal - am 8. März ist Internationaler Frauenkampftag
Am 27. August 1910 schlug die Sozialistin Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor. Die Idee dazu kam aus den USA. 1911 wurde der Tag erstmals begangen. Am 8. März 1917 – nach russischem Kalender der 23. Februar – streikten in Sankt Petersburg die Arbeiter- und Soldatenfrauen und erstmals auch Bäuerinnen der armen Stadtviertel und lösten damit die Februarrevolution aus. Zu Ehren der Rolle der Frauen in der Revolution wurde auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt.
Zum FrauenStreikTag 1994 erlebte der Internationale Frauentag nach Wikipedia in Deutschland ein politisches Comeback. Seitdem gibt es immer wieder Veranstaltungen zum 8. März – Demonstrationen für Frauenrechte, Vorträge und Feiern von Gewerkschaften, autonomen Frauengruppen, den Frauenbeauftragten oder der VHS, in großen und kleinen Städten. Während der Frauenkammpftag in München traditionell von Gewerkschaften, MLDP und Antikriegsgruppen organisiert und entsprechend ausgerichtet ist, finden in anderen Städten radikalere und und genderthematische Veranstaltungen statt.
München: "Nein zum Krieg, Frieden in den Betrieben und im Land"
In München gab es im vergangenen Jahr - zum 100. Jubiläum des Frauentages - eine mächtige Demonstration vom Stachus zur Theresienwiese. Es dominierten hier deutlich die friedlichen Friedensfrauen und -männer aus den friedlichen Friedensgruppen.Das erklärte, warum zuvor die (männlichen) grauen Eminenzen aus dem EineWeltHaus so verblüffend wie energisch für den Frauenkampftag geworben hatten.
Auch heuer klingt der Aufruf eher friedlich und mäßigend: Unter dem Verdi-Motto "Heute für morgen Zeichen setzen" fordert der Aufruf zur Demonstration "gerechte Bezahlung, gesicherte Arbeitsplätze, Nein zum Krieg, Frieden in den Betrieben und im Land, gelebte Chancengleichheit, Weg mit §218". Dass der "Frieden in den Betrieben und im Land" eine Art Grabesruhe ist, die zur Zeit mit der Verarmung des südeuropäischen Proletariats bezahlt wird; dass mithin also auch und gerade Arbeiterinnen zur Zeit alles andere als "Frieden in den Betrieben und im Land" fordern sollten, kommt hier nicht vor.
Dennoch, so heißt es weiter: "Der Frauentag war und ist immer ein Powertag. Nutzen wir ihn wieder für die Gleichberechtigung! Solange es Vergewaltigungen, Misshandlungen, gläserne Decken und strukturelle Benachteiligungen gibt, haben wir noch viel zu tun!". Das ist in der Tat richtig, und so kann frau* an diesem Tag durchaus zeigen, dass Frauenkampf nicht den Frieden, sondern den Kampf um Befreiung fordern und dies auch radikal denken sollte.
Die Demonstration in München startet am Donnerstag, den 08. März 2012 um 16.30 Uhr am Karlplatz/Stachus und zieht dann zum Gewerkschaftshaus, wo am frühen Abend der unvermeidliche "Markt der Möglichkeiten" und anschließend eien Veranstaltung mit Bürgermeisterin Christine Strobl, der DGB-Kreisvorsitzenden Simone Burger und das Theaterstück "100 Jahre Intern. Frauentag in 13 Szenen" von Corinna Poll stattfindet.
Nürnberg: "Den sexistischen Normalzustand angreifen!"
Deutlich kämpferischer zeigt sich der Aufruf zum Frauenkampftag in Nürnberg. Zwar wird auch hier der Krieg thematisiert, jedoch im Kontext von sexualisierter Gewalt. Frauen- und Mädchenhandelhandel boomten an Orten, wo truppen stationiert sind, besonders, so der Aufruf. Darüber hinaus will das aufrufende Bündnis gegen die doppelte Ausbeuteung von Frauen in Produktion und Reproduktion kämpfen und hebt hierbei auch die Rolle von Migrantinnen hervor, die "in der prekären Arbeit [...] weit überdurchschnittlich" beschäftigt seien: "In der BRD stellen sie 3/4 der geringfügig beschäftigten und 2/3 der Beschäftigten im Niedriglohn-Bereich".
Gegen Rassismus und Sexismus kämpft das Bündnis auch hinsichtlich der Flüchtlingspolitik:
"Rassistische und sexistische Gesetze führen dazu, dass Flüchtlingsfrauen in der BRD immer wieder Opfer von Gewalt und Ausbeutung werden. Sei es durch sexualisierte Gewalt durch das Personal in Flüchtlingsheimen, Gewalt in einer Ehe, aus der eine Frau kaum fliehen kann, weil eine Trennung eine Abschiebung nach sich ziehen würde, oder bei der Abschiebung selbst."
Und noch ein weiterer Punkt unterscheidet die Nürnberger Aktionen von denen der Münchner Genossinnen: Explizit wird die Situation von lesbischen und bisexuellen Frauen und von Transsexuellen und Transgender thematisiert, die "in der Gesellschaft und auch auf rechtlicher Ebene Diskriminierungen ausgesetzt" sind.
Die Aktionen "gegen Sexismus und Patriarchat" beginnen am 8. März um 14 Uhr mit Infoständen an der Lorenzkirche, wo um 17:30 Uhr auch die Demonstration startet. Am Freitag darauf findet in der "Desi" die Party "Anne will tanzen" exklusiv für Frauen zum 8. März statt.
Salzburg: "Schrei' dich ein, reih' dich ein!"
Auch in Salzburg findet am 8. März eine - vermutlich - radikalere Frauendemo statt. Organsiert wird sie vom Frauenreferat der ÖH Salzburg und dem Frauenkollektiv "Sister Resist". Bisher ist uns kein expliziter inhaltlicher Aufruf zu der Demonstration bekannt.
"Sister Resist" organisiert sich "gegen den patriarchalen Wahnsinn. Wir gehen davon aus, dass die Kategorie Geschlecht konstruiert ist(1) und nachteilige Folgen für all jene hat, die als Frauen* gelten. Wir benutzen den Begriff Frau* als politischen Begriff, weil es dadurch möglich ist, gegen Unterdrückung, Diskriminierung, Ausschluss und Unsichtbarmachung von Frauen* zu agieren."
Unter diesem Wahnsinn verstehen die "ReSistas" den "neokapitalistischen(2) Normalzustand, der Frauen* grundsätzlich eine nachrangige Rolle zuschreibt. In dieser heteronormativ(3) orientierten Welt gehören Sexismus sowie psychische, physische und strukturelle Gewalt(4) für Frauen zum Alltag. Wir kämpfen für eine freie Gesellschaft von Gleichen, in der alle Menschen ihre Potentiale voll entfalten und ihre Bedürfnisse befriedigen können." Im vergangenen Jahr ging es bei der Demonstration in Salzburg ähnlich wie bei den Nürnberger Genossinnen um Ausbeutung, Rassismus und (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen.
Zusammen mit dem Frauenreferat der Hochschule rufen "Sister Resist" dazu auf, am 8. März 2012 "Freundinnen, Mütter, Omas, Schwestern, Tanten & Sachen zum Krach machen" mitzubringen. Der Tag beginnt um 10 Uhr mit der Vorbereitung bei den Gesellschaftswissenschaftlerinnen der Hochschule am Rudolfskai. Um 16:45 Uhr gibt es ein Warm-Up "im Studio überm Atelier, Elisabethstraße 11", bevor um 18 Uhr am Mahnmal am Hauptbahnhof schließlich die Demonstration beginnt. Eine Abschlussparty findet ab 20 Uhr im SUB (Müllner Hauptstraße 11b) statt.
München, Nürnberg und Salzburg sind natürlich nicht die einzigen Orte, um den Frauenkampftag zu begehen. Eine umfangreichere Liste findet sich bei der mädchenmannschaft, wo auch weitere Veranstaltungsübersichten verlinkt sind.






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