"Reaktionär", "zum kotzen" - oder einfach nur verzweifelt
Von: Redaktion Luzi-MEin harscher Absatz in einem luzi-m-Artikel zum Jahreswechsel führte zu teils heftigen Reaktion und internen Diskussionen. Eine Klarstellung
"reaktionär, reaktionärer, am reaktionärsten" war ein Leser_innenbrief auf den luzi-m-Artikel "Auf ein entschlossenes 2012" überschrieben, in dem die Frage aufgeworfen wurde, ob ein "möglischst präzises militärisches Vorgehen gegen das iranische Regime und sein Atomwaffenprogramm" nicht vielleicht "besser" sei, als das Regime bei seinen antisemitischen Drohungen und womöglich Planungen gewähren zu lassen.
Das war starker Tobak. "Zum Kotzen, auf was für einen Hund manche Linke mittlerweile gekommen sind", meinte bikepunk089, wollte darin "die gleichen Sorgenfalten [...] wie einst der Fischjockel" erkennen und fragte:
"Wann hat das letzte Mal ein militärisches Vorgehen Krieg zur tatsächlichen Absetzung eines autoritären, reaktionären regimes geführt ohne das ein neues folgte? Wann haben das letzte Mal irgendwelche progressiven Kräfte irgendwo auf der Welt davon profitiert, wenn gegen „ihre“ Staaten Krieg geführt wurde? Wenn trifft der „möglichst präzise“ Krieg, und wer stellt sich die Frage was denn nun besser sei? Wie wird in euren Hirnen aus der Ablehung von Kriegsdrohungen der Schutz eines Regimes? Und wann seid ihr von welchem Baum gefallen, dass ihr euch ähnliche Fragen nicht selber stellt?"
In einer nachgereichten Anmerkung und einer redaktionsinternen Diskussion rechtfertigte der Autor des luzi-m-Artikels (der nicht die Meinung aller Redaktionsteilnehmer_innen widerspiegelt) die Zeilen mit "einer ratlosigkeit" darüber, dass weite Teil der Linken die Bedrohung Israels durch das iranische Regime und sein mutmaßliches Atomwaffenprogramm schlicht ignoriere, "wenn nicht gar leugnet".
Das Ergebnis jener Diskussion sei hier kurz dargestellt:
- Es ist richtig, dass nicht unerhebliche Teile der Linken die Bedrohung Israels durch das iranische Regime nicht ernst genug nehmen, herunterspielen oder leugnen. Eine Antwort auf diese Drohungen und diese iranische Agenda lassen insbesondere antimilitaristsche Linke nicht erkennen.
- Dies aber kann und darf für progressive Linke kein Grund sein, ein kriegerisches Vorgehen gegen das iranische Regime gutzuheißen oder zu rechtfertigen.
- Aus der historisch einmaligen Situation des deutschen Nationalsozialismus und des zweiten Weltkrieges lässt sich kein Kanon irgendeiner "progressiven" Kriegsführung für heute ableiten.
- Eine emanzipatorische Linke sollte auf antifaschistischer und antimilitaristischer Grundlage Position gegen die iranischen Ausfälle gegen Staat und Bewohner_innen Israels finden und beziehen. Dazu gehört der Kampf gegen atomare Aufrüstung ebenso wie die Ablehnung des (westlichen) Kriegsgetöses.
- Bei aller "Sorge" bleibt es die vorrangige Aufgabe einer antifaschistischen Linken hier, gegen antisemitische Argumentationsmuster hier und auch in der hiesigen Linken anzukämpfen.






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