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Aktuelles:

Literaturhaus hält an Sarrazin fest

05.09.10 19:10

Lesung soll nach Protesten "Diskussionsveranstaltung" werden[mehr]



Hetzer im Literaturhaus? - Antifa kündigt Proteste an

31.08.10 16:36 Thilo Sarrazin (Foto: <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Thilo_Sarrazin030709.jpg&amp;filetimestamp=20100717150035" target="_blank">Nina c/o Wikipedia</a>)

Die "Antifa NT" fordert den Kulturbetrieb auf, eine Lesung von Thilo Sarrazin abzusagen[mehr]



Resonanz "besser als erwartet"

30.08.10 09:50 Foto: <a href="http://de.indymedia.org/2010/08/288713.shtml" target="_blank">indymedia.org</a>)

Rabatz-Bündnis zieht positive Bilanz der Kundgebung gegen Homophobie und Sexismus am "Chiemsee...[mehr]



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18.07.10 19:26
Rubrik: Kultur

Bildungsbürger diskutieren Urbanität

Von: Redaktion Luzi-M

Dass der Karstadt am Dom wie so viele andere Kaufhäuser geschlossen wird war schon länger klar. Was mit den rund 150 Beschäftigten und mit der Immobilie geschehen soll hingegen weniger.

"Die Bayerische Bau- und Immobilien GmbH des Schörghuber-Konzerns, will den 60er-Jahre-Bau abreißen und bis 2013 ein völlig neues Geschäftshaus errichten: mit Einzelhandel, Büros und womöglich Wohnungen." schrieb die tz vor knapp einem Jahr. Das inzwischen leer stehende Gebäude wird also sicher kein selbstverwaltetes Kulturzentrum, keine Hort der neuen sozialen Bewegungen, keine Drogenberatungsstelle oder eine offenes Zentrum für Bedürftige.
Interessant ist, dass es nun offensichtlich eine Zwischennutzung geben wird und zwar durch die Fünfte Architekturwoche A5.

"Unter dem Motto „Umbruch. Abbruch. Aufbruch“ setzt die Fünfte Architekturwoche den Rahmen für Projekte die sich mit der Stadt, dem Stadtrand und der Vorstadt beschäftigen. Vom 16. bis zum 24. Juli 2010 möchte der Bund Deutscher Architekten – BDA in Bayern das Interesse für baukulturelle Belange wecken und darüber hinaus das kritische Bewusstsein in der Gesellschaft stärken. Architektur und Stadtplanung sollen in dieser Woche ein lebendiger, erfahrbarer Bestandteil unserer Kultur und Gegenstand des öffentlichen Diskurses sein."

Na das ist doch etwas denkt sich die interessierte Bürgerin, doch bei einem Blick in das münchner Programm tritt schnell Ernüchterung ein. Neben einer Vielzahl von Exkursionen und allabendlichen Clubveranstaltungen ließen die Diskussionsveranstaltungen im "Architekturclub" auf interessante und kontroverse Abende hoffen. Doch weit gefehlt, selbst wenn einige Themenstellung Raum für Kritisches lassen würden, so zeigt die Auswahl der ReferentInnen wes geistes Kind die Ganze Veranstaltung ist. Nicht Obdachloseninis, ALG2-Zwangsgräumte, verschuldete Working Poor, Mieterbund, Kulturinis von unten, Bauwagenleute, Hausbesetzer aus Freiburg, Gäste aus Stadt für alle (HH) oder MediaSpree versenken (B) wurden hier eingeladen sondern ausschließlich Bildungsbürger aus dem Hochschulbetrieb mit klangvollen Namen. Das sieht dann folgender maßen aus:

Da gibt es z.B. eine Diskussion mit dem Titel "Stadt Machen" bei der

"Vier Referenten aus den Bereichen Soziologie, Philosophie, Architektur und Städtebau diskutieren über gesellschaftliche Tendenzen und die daraus resultierenden Veränderungen unserer Stadt. Eine spannende Debatte zwischen klugen Köpfen.

Die "klugen Köpfe" sind dann auch folgerichtig die selbstverliebten Gscheithaferln:
Prof. Armin Nassehi, LMU München, Lehrstuhl für Soziologie
Prof. Wilhelm Vossenkuhl, LMU München, Lehrstuhl für Philosophie, Logik und Wissenschaftstheorie
Prof. Andreas Hild, Hild und K Architekten, München
Prof. Sophie Wolfrum, TU München, Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung

Da kann sich jeder ausmahlen was für "eine spannende Debatte" werden wird. Nicht dass es da an den Hochschulen keine guten Kritikaster gäbe, wie z.B. den Elitenforscher Michael Hartmann oder der Sozialwissenschaftler Andrej Holm aber ein Blick zum Veranstalter (Bund Deutscher Architekten BDA Bayern), den Kooperationspartnern (Landeshauptstadt München, Bayerische Architektenkammer, Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern) oder den Sponsoren (http://www.architekturwoche.org/muenchen/sponsoren/index.html) zeigt schnell und eindeutig, um welche Interessen es hier geht. Dass Kapital und Standesverbände, ebenso wie die öffentliche Behörden nicht scharf auf geharnischte Kritik sind, ist ja noch verständlich. Aber eine derartige Jubelveranstaltung für eine architektonisch in Stein gegossene Welt der Reichen, Schönen und Mächtigen sowie ihren Lakaien, Gauklern und Hofnarren, wäre nun auch wieder nicht nötig gewesen. Warscheinlich ist der Klassenkampf schon derart weit zugunsten der Bourgeoisie fortgeschritten, dass keine Augenwischereien wie Sozialstaat, Verantwortung, Chancengleichheit oder Gerechtigkeit mehr nötig sind. Die Verdammten in diesem Land erheben nicht mehr die Faust, sie grölen nur mehr Schland, und tun sie es doch dann gibt´s auf die Mütze mit allem was der hochgerüsstete Repressions- und Überwachungsstaat hergibt.    

Natürlich gibt es auch noch die verstreuten "neuen ewig Gestrigen", die an eine andere Welt jenseits von Unterdrückung und Ausbeutung glauben. Vielleicht nehmen die die Einladung an, zumal die einzelnen Veranstaltungen kostenlos sind. Abgesehen davon, sich die Lokalität letztmalig anzusehen, ergeben sich sicher auch Möglichkeiten sich kreativ in den Diskurs einzubringen und ebenfalls kostenlos ein wenig heilsames Chaos beizutragen.


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