Es geht wieder
Von: Redaktion Luzi-MZum ersten Mal seit Jahren gelingt es tausenden Antifaschist_innen wieder, einen Naziaufmarsch zu blockieren


Antifa-Demonstration in der Innenstadt (Foto: de.indymedia.org)

Warten auf die Neonazis ...

... beim Kulturfest in Fürstenried.

Zweite Blockade ...

mit Zulauf.

Die Polizei ...

riegelt ab.

Wieder warten ...

Nazis (links) kommen, ...

... werden gestoppt ...

und empfangen.

Ratlosigkeit

Kurze Hektik bei den Antifaschist_innen:

Wird jetzt eine Ersatzroute durchgesetzt?

Dann aber ziehen sich sich doch zurück.

Kein Durchkommen.

Die Fürstenrieder_innen haben Feierabend, ...

... die Neonazis nicht: Nach der Festnahme ... ... bleibt der Lautsprecherwagen zurück.

...
Es war ein kurzer Ausflug in den Münchner Süden. Erst scheiterten die Neonazis um Roland Wuttke und Phillip Hasselbach beim Versuch, ein "Vereinshaus" zu mieten und nun mussten sie nach ein paar hundert Metern ihre Demonstration abbrechen.
Rund 80 Neonazis waren dem Aufruf der "Freien Nationalisten München" zum öffentlichen Nicht-Feiern des Jahrestages der Kapitulation Hitlerdeutschlands gefolgt. Mit einem "Fackel- und Trommelmarsch" wollten sie zum Kriegsopfer-Denkmal ziehen, Täter_innen und Opfer verdrehen. Daraus wurde nichts, sie scheiterten auf ganzer Linie.
"No pasaran!"
Zwei erstaunlich große und breite Bündnisse von Antifaschist_innen jeglicher Spektren hatte sich zusammengefunden, um den geplanten Aufmarsch zu verhindern - mit Erfolg. Bereits am frühen Nachmittag gelang es dem radikaleren Antifabündnis, in der Innenstadt Hunderte nach Fürstenried West zu mobilisieren. Dieser Demonstration ging es neben der Mobilisierung - wie es in einem indymedia-Artikel heißt - "auch darum [...], den 8. Mai als Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zu feiern und weitergehende antifaschistische und linke Forderungen und Inhalte auf die Straße zu tragen". Auf bis zu 700 Teilnehmer_innen schwoll die Demonstration an, im Anschluss fuhren die Antifaschist_innen nach Fürstenried West.
Dort hatte das zweite - eher bürgerlich geprägte - Bündnis neben dem Flüchtlingslager an der Tischlerstraße ein Kulturfest unter dem Motto "München ist bunt", mit Livemusik und Sound System organisiert. Lange bevor die "Freien Nationalisten" ankamen, versuchten hier einige Nazigegner_innen gegen 17 Uhr bereits eine Straßenblockade. Diese wurde jedoch schnell von der Polizei aufgelöst, wobei es mindestens eine Festnahme gab.
Kein Durchkommen
Etwa eine Stunde später gelang es dann rund 150 Leuten, auf Höhe der großen Bühne die Straße zu besetzen. Die Polizei konnte erstmal nur ein Nachkommen der übrigen Antifaschist_innen verhindern, geräumt wurde nicht. Später drangen dennoch immer mehr Leuten nach, so dass die Polizei schließlich nur noch eine Pufferzone errichten konnte. Ohne Gewissheit zu haben, zeichnete sich langsam ab, dass der brauen Aufmarsch wohl noch vor der Ecke Forst-Kasten-Allee enden würde. Die Anspannung wich bei vielen der Festival-Stimmung.
Zuletzt war es in München 2002 gelungen, einen Naziaufmarsch gegen die "Wehrmachtssausstellung" zu blockieren. Am 14. November vergangenen Jahres mussten die "Freien Nationalisten" ihr "Heldengedenken" am Sendlinger Tor wegen der fortgeschrittenen Zeit frühzeitig beenden.
Erst gegen 19 Uhr machten sich die 80 Neonazis vom Schweizer Platz aus mit schwächelnder Lautsprecheranlage auf den Weg. Schon auf dem Weg wurden sie dabei mit einiegen Wurfgeschossen eingedeckt, die Polizei reagierte hier mit mehreren Festnahmen. Bereits nach rund 650 Metern war für die Rechten - umgeben von Antifaschist_innen - Schluss. Die Polizei erklärte, dass sie "aus Gründen der Verhältnismäßigkeit" nicht räumen würde und bot stattdessen eine Zwischenkundgebung vorOrt an, was Hasselbach und Co. jedoch ablehnten. Stattdessen drehte der Mob schon bald um und zog zurück zum Schweizer Platz.
Jähes Ende
Hier erklärte "Kameradschaftsführer" Hasselbach der Einsatzleitung (?!) noch großspurig, dass sie nun eine Kundgebung aund weitere "Aktionen" in der Innenstadt durchführen würden. Daraufhin wurde zunächst der Fahrer des Lautsprecherwagens festgenommen. Der Mob stürmte runter in die U-Bahn, wurde aber von der Polizei gestoppt. Diese ließ die Nazigruppe mit einer Sonder-U-Bahn geschlossen in die Ettstraße bringen, wo die letzten wohl gegen 23 Uhr entlassen wurden.
Sonja Erikson von der Antifa NT nannte die Blockade "notwendig und erfolgreich" und hob hervor, "dass sich jahrelange kontinuierliche Arbeit
gegen Rechts auszahlt". Die "Aktionen des zivilen Ungehorsams" hätten gezeigt, dass sich "antifaschistischer Widerstand auch nicht von
einem massiven Polizeiaufgebot kriminalisieren oder stoppen" lasse.
Auch der indymedia-Artikel sieht in den Aktionenen einen "klare[n] Erfolg einer kontinuierlichen linksradikalen und antifaschistischen Arbeit in München". Ein Erfolg sei insbesondere die große Demonstration am Nachmittag, "gerade auch vor dem Hintergrund der zeitgleich in Nürnberg stattfindenden Antifademo, aufgrund des brutalen Angriffs des Neonazis Peter Rausch vom „Freien Netz Süd“ auf einen antifaschistischen Jugendlichen. Den Nürnberger und Fürther Antifas gilt dabei unsere Solidarität gegen die Nazis. Dem Genossen wünschen wir eine gute Genesung und alles Gute."
Viele Antifaschist_innen feierten dementsprechend an der Tischlerstraße, an der Isar und in der Au noch lange den Erfolg und die Befreiung vom Nationalsozialismus.





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