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Demo zum Internationalen Frauentag in München
Very persönliche Eindrücke

Kundgebung Karlsplatz

Häkelbart: Ricarda von Ribbeck

Demo Sonnenstraße


Offenes Mikrofon Marienplatz

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Es ist eiskalt Samstag Mittag, den sechsten März 2010.
Aus Rücksicht den Werktätigen gegenüber ist die Demo von Montag den achten März vorverlegt worden. Unter dem Motto "international, mutig, kraftvoll - vereint!" kommen nur zirka fünfzig Leute, denn es ist bitterkalt und schneit waagrecht ins Gesicht.
Am Stachus vor dem Kaffeeausschank eines Fastfoodrestaurants wundert sich eine Demonstrant_in mit Blick auf die Kundgebung: "was macht denn ver.di da?" Sie hatte auf der Frauen_Transdemo zum internationalen Frauentag wohl mehr junge,kurzhaarige, Transmenschen erwartet, wie ihresgleichen und weniger Organisationen und Feminist_innen der zweiten Generation.
AK Sexismus aus dem autonomen Spektrum zusammen mit MLPD_ler_innen, Promis von den Grünen und der Linken, Gewerkschafter_innen, Einzelpersonen ohne Aufschrift und fast die Hälfte der Kundgebung Männer ergeben eine ungewöhnliche und wetterfeste Mischung. Es trommeln auch welche trotz steifgefrorener Finger, weiß nicht mehr wie die Combo heisst.
Wie es dazu kommt? Durch die Stadtfrauenkonferenz, zu der ich mit einer Kollegin gegangen war und die dort Anwesenden überredete, für eine Demo zu mobilisieren und nicht nur eine Kundgebung zu machen. Und weil die MLPD-ler_innen gerichtlich durchgesetzt haben, daß Demonstrationen und Kundgebungen keine Anmeldegebühren mehr kosten (Wer hats gewusst? ...Supersache!), meldeten sie diese auch an.
Als die Autonomen drei Transparente auspacken und zwei davon englischsprachig sind, fängt gleich ein grauhaariger Demoteilnehmer_in das Motzen an. Die deutsche Sprache würde kaputtgehen und "Wer soll denn das verstehen?" Das ist ihm dann alles doch a bisserl zu international am internationalen Frauentag. Die Angeschnauzten aber lassen sich nicht provozieren.
Der Schneesturm wird immer schlimmer, als der Demonstrationzug die Sonnenstraße entlang läuft. "Wir können nicht nur Gemüse dämpfen, wir können auch für die Zukunft kämpfen." schreien die Frauen von Rebell, dem Jugendverband der MLPD. Ein Spruch, der auf anderen Demos noch lustiger wäre.
"Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat." das auf einem Transparent steht, gefällt einer Frau nicht und sie hätte lieber statt "kein Gott", "keine Kirche" dort stehen. Die Parole findet aber doch auch Anklang und wird geschrien. Ein Atomausstieg sofort-Plakat läuft mit, für kleinere Klassen in den Schulen wird paroliert - die Mischung erinnert an das offene Mikrofon der Montagsdemos und ist nicht unsymphatisch, weil hierarchiefrei durch fehlenden Lautiwagen.
Drei besoffene Touristen drängen sich hinter das Fronttransparent "Love Sex, Hate Sexism" kurz vorm Sendlinger Tor. Der eine nervt total und lallt mir, die ich die Hände voll habe vom Transparent ins Ohr: "I like Sex too". Sie wollen daß ihr Kumpel Fotos macht von ihnen. Ich hebe das Transparent so hoch, daß die Gesichter der Besoffenen nicht mehr sichtbar, sondern nur noch ihre Schottenröcke zu sehen sind und hoffe, daß sie dann die Lust verlieren am mitlaufen. Eine Ordner_in kommt, doch statt die Störer zum gehen zu bewegen, zückt sie grinsend einen Fotoapparat und fotografiert sie.
Das Rausschmeissen muß ich dann doch übernehmen und ein Rache-Schneeball erwischt nicht mich, sondern einen Gewerkschafter_in, der gar nicht weiss wie ihm geschieht. Eine kurdische Aktivist_in hebt etwas später meine Laune, als sie zu mir kommt und mich mit: "Schöner Mann!" begrüßt.
Am Marienplatz angekommen, ist "der Markt der Möglichkeiten" wegen dem schlechten Wetter eine Unmöglickeit. Nur ein Zelt mit offenem Mikrofon und ein Schirm der Linken steht da. Je dreiminütigen Reden schneiden Themen wie Hartz 4 an und daß Frauen zwar schon oft Hauptverdiener_innen sind ,[...] aber trotzdem nur zwei Drittel vom Männerlohn verdienen," so oder ähnlich Anke Fritz von Courage.
Eine Horde kurzhaariger Fußballfans deckt die Kundgebungsteilnehmer_innen mit Schneebällen ein. Weil sie sich das nur trauen, solange sie hinter einem Kiosk stehen, schreie ich: "Feiglinge!" Valerie Marktl vom AK Sexismus schliesst ihre lange und schwungvolle Rede mit den Worten: "Frauen bildet Banden!" Szenenapplaus. Ein Passant ruft sehr aufgebracht: "Sagt mal, glaubt ihr das was ihr da fordert? Die DDR gibts nicht mehr!" Meint er damit das Transparent der MLPD "Her mit dem ganzen Leben - für die Befreiung der Frau im echten Sozialismus"?
Irgendwie ist mir dann echt zu kalt und ich geh mit ein paar Leuten in den Donisl. Ich frag einen Kellner_in wo´s Klo ist, er grinst mich an und schickt mich aufs Männerklo. Die Klofrau glaubt, daß auch meine Haare nicht echt sind. Weil beim Biertrinken der Häkelbart stört bringt mir ein anderer Kellner einen Strohhalm, als ich darum bitte. Wahnsinn, alle sind sie nett zu mir - und ich hatte Angst, daß ich ausm Donisl rausflieg, weil das doch so ein konservativer Laden ist. Absolute Härte! Oberlippenbärte!









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