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Schlechte Presse
Erneut berichtet die Boulevard-Presse über "Randale" und das selbstverwaltete Jugendzentrum "Kafe Marat"

Festnahme an der Giselastraße (Still aus youtube.com)
"Die Initiatoren kommen wohl aus der linken Szene",
behauptet der "Münchner Merkur" über die "U-Bahnparty" mit bis zu 400 Gäst_innen, die die Polizei am vergangenen Freitagabend augelöst hat.
Die Münchner "Partygueriila" hatte im Internet zu der Party in der U6 eingeladen. Wegen herausgeschraubter Leuchtstoffröhren und entleerten Feuerlöschern hatten Passant_innen die Polizei informiert, die mit einer guten Hundertschaft das Treiben an der Giselastraße beendete.
Dabei gingen die Beamt_innen offensichtlich nicht eben zimperlich mit den Jugendlichen um, wie
mehrere Videos zeigen. Fünf der Feiernden wurden fest- bzw. in Gewahrsam genommen. Ein Polizeisprecher sagt dem "Merkur" zufolge zwar, dass "möglicherweise [...] da strafrechtlich nichts zu machen" sei, dennoch ermittelt die Polizei nach den "Initiatoren", schließlich "hört der Spaß auf, wenn man im öffentlichen Nahverkehr Chaos anrichtet".
Und der "Münchner Merkur" "ermittelt" mit. Weil die "Partyguerilla"
im Internet für den späteren Abend ein Konzert mit den Bands "Minimal" und "Hardtech" empfielt und entsprechend einige Leute Richtung Goetheplatz fuhren, wähnt der "Merkur" die Veranstaltenden in diesem Umfeld:
"In der Nähe soll im bekannten linken Szene-Treff 'Kafe Marat' die sogenannte 'After-Underground-Party' stattfinden. [...] Der Hinweis auf die Anschlussveranstaltung im linken Szene-Treff deutet darauf hin, dass in diesem Milieu die Initiatoren der U-Bahn-Party zu suchen sind."
Obwohl derartige Meldungen üblicherweise von den Pressemitteilungen der Polizei abgeschreiben werden, findet sich der Hinweis auf den Goetheplatz und das "
Kafe Marat"
dort nicht. Die Verbindung zu dem linken Zentrum entstammt also vermutlich eher den "kriminalistischen Fähigkeiten" des Merkur-Autors.
Tatsächlich fanden vor dem "Kafe Marat" am Abend umfangreiche Personenkontrollen statt. Zahlreiche Polizeibusse und Zivilfahrzeuge umlagerten am Freitagabend das Kafe, USK-Beamt_innen kontollierten alle, die irgendwie nach "Marat-Publikum" aussahen. Dass es nach Angaben der Polizei "keinen Zusammenhang zwischen der Feier und der Razzia" im Schlachthofviertel gab scheint den Autor des "Merkur"-Artikel nicht zu stören.
In jedem Fall sieht der/die Leser_in sein/ihr Klischee von den "randalierenden Linken" bestätigt. Kaum vorstellbar, dass die Zeitung etwa das Umfeld des "Atomic Cafes" als "Initiatoren" bezeichnet hätte, wenn die "Partyguerrila" auf das "Panic ja!"-Konzert dort hingewiesen hätte.
Da es in den vergangenen Jahren immer wieder Polizeiaktionen im Vorfeld der "Sicherheitskonferenz" gegeben hatte, vermuten nicht wenige, dass die Polizei auch diesmal "nur Daten sammeln" wollte. Näher noch als die "Siko" liegt jedoch ein Zusammenhang mit einem Vorfall am 05. Januar.
"Randale im Gärtnerplatzviertel"
Auch damals wurde das "Kafe Marat" in mehreren Presseberichten erwähnt. Nach mehreren Sachbeschädigungen an Autos und einem Roller im Gärtnerplatzviertel sprach die Polizei selbst von "10 Mitglieder[n ...] aus dem linken Spektrum", die vorläufig festgenommen wurden. Diese hätten zuvor "im Kafe Marat in der Thalkirchner Straße gefeiert", zitiert
die "Abendzeitung" einEn Polizeisprecher_in.
"Diese Örtlichkeit ist traditioneller Treffpunkt der Antifa-Szene – und tatsächlich spielten dort am Dienstagabend diverse Punk-Bands", weiß die Abenzeitung und machte das Thema zum Aufmacher der Zeitungskästen. Wie die Polizei auf das Kafe kommt, bleibt offen. Entweder wurden jene "linken Randalierer" bereits vorher beobachtet (und nicht gestoppt?) oder sie haben selbst im Verhör von ihrer Abendgestaltung berichtet. Nun ja ... EinE Kommentator_in berichtet in der Abendzeitung jedenfalls, er/sie sei an jenem Abend im Gärtnerplatzviertel wegen der Geschichte als völlig UnbeteiligtEr festgenommen worden.
Nun finden wir Mackerkonzerte wie das der "Fastidos", die an jenem Abend im "Marat" spielten, wirklich nicht angenehm (vgl.
Video). Auch im Szene-Forum "
Subdays" ist vom "nervigen Publikum" und der "Testosteron/Adrenalin-Schweißsuppe" die Rede. Dennoch: auch im Forum kann sich niemand an Menschen mit Baseball-Schlägern (!) erinnern. "Zum Thema Baseball-Schläger, mit denen wäre ja auch keiner in das Konzert gekommen", schreibt einE Teilnehmer_in.
In beiden Fällen wird das "Kafe Marat" mit "linken Randalierern" in Verbindung gebracht. Einmal, weil Leute aus dem "Umfeld" mutmaßlicher Täter_innen später dorthin gegangen, das andere Mal, weil die angeblichen Täter_innen vorher dort gewesen sein sollen. Dabei ist es egal, ob sich das nun am Ende so bewahrheitet oder nicht: In beiden Fällen bedienen die Zeitungen (und die Polizei) ein gängies Klischee (das sicherlich hier und da von manchen auch bedient wird) und arbeiten dabei mit Mitteln, die bei anderen Gaststätten oder Konzerthallen nur schwer vorstellbar sind.
Bei dem "betrunkenen Messerstecher" jedenfalls, über den der
Merkur vergangene Woche berichtete, wird nicht erwähnt, wo er vorher war oder zu welcher "Szene" er gehört. Stattdessen ist hier der rassistische Hinweis auf den "den in Neuperlach wohnenden Türken" zu finden. Und wieder denkt sich so manch Leser_in: "Aha!" Offenbar haben weder die schlecht bezahlten Journalist_innen, noch die Mehrheit der Leser_innen (noch wir hier?) großes Interesse an differenzierter Berichterstattung.


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