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Eine Psychogruppe ruft - und alle machen mit
Von: luzi-m
Am vergangenen Samstag feierten auch in München Friedensfreund_innen den Auftakt des "World Peace March", der von der hierarchischen Psychogruppe "Humanistischen Bewegung" initiiert wird.
Da geht den Friedensbewegten doch das Herz auf. Am 2. Oktober 2009, "dem Geburtstag Gandhis", würden sich Kriegs- und Gewaltgegner_innen in Neuseeland "bei Sonnenaufgang" auf machen zum "Weltweiten Marsch für Frieden und Gewaltfreiheit". Auf der ganzen Welt - auch in München - feierten daher am Samstag Friedensfreund_innen den Auftakt von "In 90 Tagen um die Welt".
Doch nicht nur Hippies, sondern eine schier unendliche Zahl von Friedensgruppen und Friedenspromis folgten dem Aufruf, sich mit Aktionen und Geld an dem Happening zu beteiligen. Bryan Adams, Jane Fonda, Martin Sheen, Noam Chomsky, Yoko Ono, Nina Hagen, Konstantin Wecker, Jimmy Carter, Nestor Kirchner, Evo Morales und natürlich der Dalai Lama - die Liste der prominenten Unterstützer_innen ist lang und wächst. Schließlich fordern diverse Webseiten: "Unterstütze den Marsch!"
Bei solch einer Aufbruchstimmung scheint es den meisten Unterstützer_innen und -gruppen egal zu sein, wer hinter den so groß in Szene gesetzten Marschierenden steht: eine Initiative names "Welt ohne Krieg". Klingt an sich nicht schlimm, ist aber ihrerseite eine der vielen Kampagnen der "Humanistischen Bewegung". Gegründet und geleitet wird diese wiederum von wurde von "Silo".
Nein, nicht Sido, sondern Silo. Der heißt mit bürgerlichem Namen "Mario Rodríguez Cobos", ist Schriftsteller und „Guru“ in Argentinien und wird von seinen Anhänger_innen "El Messias de los Andes" genannt.
Silo schart seit Mitte der Sechziger Jahre Anhänger_innen um sich, zunächst in Südamerika, dann aber auch weltweit. In Deutschland sind seine Jünger_innen seit Ende Siebziger Jahre organisiert. Anfangs nannten sie sich "Gemeinschaft für Ausgeglichenheit und Entwicklung des Menschen e.V.", heute sind sie weltweit unter den Titeln "Humanitysteam", "Humanistische Partei" oder "Humanistische Bewegung" bekannt.
Kruder Ideologiemix und autoritäre Strukturen
Das Weltbild der verschiedenen siloistischen Gruppen bezeichnet die "AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit" als "Sammelsurium religiöser Versatzstücke":
"Das Zeremoniell der "Gemeinschaft" hat nichts mit Humanismus und Demokratie zu tun. Es ist die alte autoritäre Führerstruktur verbunden mit Unterwerfungsritualen, die als Initiationen verklärt werden. In der Grundsatzschrift 'Normen und Zeremoniell der Gemeinschaft' steht dann auch folgerichtig: 'Der Mensch egal welchen Alters, bleibt immer ein Kind, das eine Führung braucht.' (S.36) Allerdings gibt es immer den einen Menschen, der kein Kind mehr ist - in der Person des religiösen Führers."
Die Heilslehre bzw. den "Weg zur Erleuchtung" bezeichnet Werner Schultz vom Humanistischen Verband Berlin dort als "die alte Entleerungsmystik, die hier aufgewärmt wird.":
"Innerlich leer werden und die Verlockungen der Welt abstreifen heißt dieser Weg zur 'Erleuchtung'. Asketen, Wüstenheilige und Zen-Buddhisten haben das schon sehr viel früher und klüger formuliert. Dahinter steckt ein bekanntes Phänomen. Es ist die Identifikation mit dem Aggressor: Wenn die Menschen vor etwas Angst haben, es aber nicht abwenden können, dann wird es von ihnen imitiert. Sie machen sich der Bedrohung ähnlich mit dem Ziel, so der Bedrohung zu entgehen. Es ist eine resignative Geste der enttäuschten Hoffnungen."
Der Kritiker Dr. Rob Thielmann von der "International Humanist and Ethical Union" nennt die "Humanistische Partei" eine "populistische Mischung aus 'kommunistischen', 'anarchistischen' und faschistischen Elementen."
Nach Angaben des "Bundesverbandes Sekten- und Psychomarktberatung e.V." herrscht in der Psychogruppe "ein strenges Führerprinzip. [...] An der Spitze der Hierarchiepyramide steht ##offiziell## Silo, auch 'Erstes Magisterium' genannt." Während die Gruppe nach außen hin recht zahm auftrete, legten Silo und der Führungsstab "auf die genaue Befolgung der Befehle und die normgemäße Herausbildung der Strukturen [...] großen Wert."
Überhaupt scheinen Basisdemokratie, Kritik und Debatte dem Andenmessias nicht zielführend zu sein, wie er in seinem Standardwerk "Silos Message" betont:
"Denke nicht, dass du verstehen wirst, indem du mit mir diskutierst. Wenn du glaubst, dass dein Verständnis sich schärft, indem du widersprichst, so kannst du das tun. In dieser Angelegenheit ist das aber nicht der angebrachte Weg."
Die AGPF schließlich nennt die siloistische "Bewegung" und ihre "Parteien" zwar "keine faschistische Gruppe, [sie] kommen aber auf jeden Fall aus dem rechten Spektrum".
"Orientierung und Veränderung von bestehenden Strukturen"
Das jetzige Großprojekt "Weltweiter Marsch" gliedert sich nahtlos in die Strategie der Siloist_innen ein. Diese besteht nicht allein in der Gründung von (Tarn-) Organisationen, deren Taktik es nach Silos "Allgemeinen Richtlinien" ist, "den Zugang zur Macht zu bekommen, indem wir eine parallele Organisation zum System aufbauen und es entleeren. Wenn alles chaotisch ist, wird das Volk uns wählen." Wie die AGPF unter Verweis auf ein internes Papier der "Bewegung" darlegt, versucht sich die Psychogruppe auch in der Infiltration anderer Organisationen:
'"Die 'Bewegung' tendiert außerdem dazu, bereits bestehende Strukturen, die zur allgemeinen Entwicklung beitragen können, zu verändern, zu fördern und zu orientieren.' [...] In diesem Zusammenhang muß man auch die permanenten Versuche sehen, über die selbst geschaffenen Organismen Kontakte aufzunehmen bzw. auszubauen."
Vor diesem Hintergrund stellt sich der "Weltweite Marsch für Frieden und Gewaltlosigkeit" keineswegs als von demokratischen Basisgruppen organisiertes Polit-Happening dar. Vielmehr handelt es sich um eine große Werbekampagne, die die Anhänger_innen und Gruppen des Siloismus als unverdächtig darstellen und "hoffähig" machen soll.
Erstaunlich daran ist, wie viele Organisationen - erwähnt seien exemplarisch Amnesty International Deutschland und die deutsche Welthungerhilfe - und Personen sich dem Aufruf anschließen, ohne sich die dahinter stehende Gruppe näher und kritisch anzusehen.
In München beteiligten sich an der Auftaktveranstaltung am Sendlinger Tor unter anderem die "Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit", das "Münchner Friedensbündnis" und das "Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus" (vgl. Picasaweb).
Vermutlich sind viele von der Größe des Politspektakels derartig geblendet, dass sie die Kritik gaaanz hinten anstellen. Schließlich kann mensch sich als Teil einer großen Bewegung (sic!) fühlen und solange "Pace" drauf steht und alle mitmachen, kann es wohl gar nicht schlimm sein.
- Links:
- www.agpf.de/Siloismus.htm










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