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Ehrliche Werbung
Von: luzi-m
"Zynisch" und "erschreckend" finden die Gewerkschaften die Werbekampagne einer Zeitarbeitsfirma. Dabei war die nur ehrlich.
"15 Prozent Rabatt auf alle Hilfs- und Fachkräfte." Mit diesem Satz warb ein norddeutsches Personaldienstleistungs-Unternehmen vor kurzem noch um Kunden. "Alle müssen raus" hieß es da auf einem Werbeplakat, darunter waren gewerbliche Arbeitnehmer_innen abgebildet.
"Wie bei Rabattaktionen für Computer, Möbel oder Kühlschränke üblich", so urteilte die Süddeutsche Zeitung am Samstag unter dem Titel "Ware Mensch" und erkannte damit genau, um was es der Olpener Firma offenbar ging. Menschen sind heute nun einmal Waren auf dem Arbeitsmarkt, und wer als Arbeitsvermittler_in Arbeitskräfte billiger anbieten kann, bekommt den Zuschlag.
Die IG Metall Olpe hat dies vielleicht noch nicht erkannt und findet es laut SZ "erschreckend, dass ein Arbeitgeber Menschen wie Waren anpreist". Ebenso DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy, der es "zynisch" finde, "wenn Leiharbeitskräfte zu Sonderpreisen angeboten werden".
Die Aufregung zog. Die Firma bereut ihre Kampagne, der Geschäftsführer findet die Werbebotschaft nun "wahnsinnig bedauerlich", so die Zeitung.
Dass der eigentliche Irrsinn aber im System der Warenwirtschaft und des "Arbeitsmarktes" (der Name sagt es ja schon!) liegt, darauf kommen auch die Gewerkschaftsvertreter nicht.
Angesichts des ganz normalen Wahnsinns nämlich ist die Zeitarbeitswerbung einfach nur ehrlich. "Zynisch", und ab und an "erschreckend" ist doch, dass uns das Zwangs- und Ausbeutungsverhältnis "Zeitarbeitsmarkt" tagtäglich als "Selbstverwirklichung", "Herausforderung" oder "Horizonterweiterung" präsentiert wird und eben nicht als das was es ist: der Handel mit der Ware Mensch.
Im Grunde genommen sollten die Gewerkschaften dankbar sein für derart offene Kampagnen, die uns das Kapitalverhältnis derart vor Augen führen. Sind sie aber nicht. Warum eigentlich?










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