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Streit um Friedensengel: Kastner gibt nicht auf
Von: lzm
Im Streit um die Verhüllung des Friedensengels während der "Sicherheitskonferenz" zeigen der Künstler und die TagungsgegnerInnen Durchhaltevermögen.
Wenn Wolfram Kastner seine politisch intervenierenden Aktionen durchsetzen will, gibt er so schnell nicht auf. Ob durch die Strafverfahren wegen der Aktion zum Konkordat und zur Entfernung der SS-Schleifen auf dem Salzburger Friedhof oder durch schlichte Behördenbescheide - einschüchtern lässt sich der Künstler so leicht nicht.
Schon gar nicht, wenn die Argumente der Gegenseite nicht überzeugen, wie bei Kastners jüngsten geplanten Aktion. Während der kommenden Woche tagenden "Sicherheitskonferenz" will Wolfram Kastner zusammen mit dem "Aktionsbündnis gegen die NATO-'Sicherheitskonferenz'" den Friedensengel mit einem Tarnnetz verhüllen, was die Stadt München als Grundstückseigentümerin nicht will (Luzi-M berichtete).
Da die Argumente der Stadt gegen das Vorhaben nicht schlüssig erschienen, wollten Kastner und Co. genauere Belege dafür haben, dass das Tarnnetz die "Standfestigkeit" des Denkmals gefährde. Und die Landeshauptstadt ließ sich nicht lumpen.
Von einem "externen unabhängigen und erfahrenen Statikbüro", das "seit langem mit der Begutachtung der Standsicherheit des Friedensengels befasst" sei, habe die Stadt eine Einschätzung erbeten. Dieses rate trotz "Unwägbarkeiten und Unsicherheiten" dazu "von der geplanten
Maßnahme Abstand zu nehmen", zu groß sei die Gefahr, dass der Engel durch die hohe Windlast Schaden nehme.
Friedensengel schon einmal verhüllt
Nun ist es nicht so, dass es keine empirischen Daten zur Gefährung des Friedensengels durch eine Tarnverhüllung gibt. Bereits von 1944 bis Kriegsende war die Pallas Athene mit einem umfangreichen Tarnnetz verhüllt worden, um sie vor Luftangriffen zu schützen (siehe Foto rechts). Das hat Kastner im Münchner Stadtarchiv herausgefunden. "Obwohl dadurch wesentlich mehr 'Windangriffsflächen' über lange Zeit hinweg angebracht waren", so der umtriebige Aktionskünstler in seiner Antwort an die zuständige Stadträtin, "überstanden das der Friedensengel und die Passanten über Monate hinweg unbeschadet."
1982 sei "die Standfestigkeit des Friedensengels zusätzlich mit 1000 kg Blei erhöht" worden. Dies bringt Kastner zu einem naheliegenden Verdacht:
"Wir können uns des Eindrucks kaum erwehren, als wäre die Beurteilung des erfahrenen Statikbüros eher aus der Luft oder aus dem Wind gegriffen, als dass sie auf wirklich belastbaren Erfahrungswerten beruht.
[...] Oder sollte die bisherige Ablehnung auf anderen Gründen als Statik und Windlast beruhen?"
Mensch kann doch über alles reden
Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Erneut legen die VerhüllungskünstlerInnen die Details zu ihrem Vorhaben dar: Keine zusammenhängende Windfläche, stattdessen ein - zum Schutze der Vergoldung - auf Watte und Gaze eng anliegendes Tarnnetz soll den Engel zieren. Sie würden sogar kurzfristig auf die Aktion verzichten, "wenn zwischen dem 5. und 12. Februar und während der Militärkonferenz besonders starker Wind in München herrschen würde – am Friedensengel und nicht nur im Bayerischen Hof."
Schließlich bitten Kastner und das "Institut für Kunst und Forschung" nochmals um einen Gesprächstermin, um "die Missverständnisse und „Unwägbarkeiten“ ausräumen sowie technische Möglichkeiten finden" zu können, "wie die geplante Kunstaktion ermöglicht werden kann, ohne den Frieden(sengel) zu beschädigen." Es gehört zu dieser Auseinandersetzung mit der Stadt offenbar dazu, alle - vielleicht nur vorgeschobenen - Argumente der Gegenseite so lange zu entkräften, bis diese die eigentlichen Gründe offenlegen muss. Der Verdacht, dass hier eine mißliebige politische Aktion verhindert werden soll, ohne dies so sagen zu müssen, liegt jedenfalls nahe.



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