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Ein Duzend Kreuze, 60 Nazis und ein neues Bündnis
Von: lzm
Die großspurig als "1000-Kreuze-Marsch" angekündigte Demonstration christlich- fundamentalistischer AbtreibungsgegnerInnen konnte nur mit Hilfe starker Polizeikräfte durchgeführt werden.
Für die rund 200 ChristInnen, die am Samstag durch die Münchner Innenstadt zogen, gab es nur ein Duzend Kreuze - und jede Menge Spott und Kritik. Ein gegen die AbtreibungsgegnerInnen um "EuroProLife" gegründetes "Antisexistischen Aktionsbündnis" hatte zu Protesten aufgerufen, denen sich bis zu 300 meist bunt gekleidete Menschen anschloßen.
Das Bündnis wertet die Aktionen als Erfolg und will weiter arbeiten. Leider gelang es rund 60 Neonazis aus dem Umfeld der "Freien Nationalisten München", innerhalb der Anti-Abtreibungsdemo als Block zu laufen und am Ende unter "Nationaler Widerstand"-Gegröle vom Odeonsplatz zum Marienplatz zu ziehen. Die Gegenaktionen waren schrill, kreativ und vielfältig, Gelegenheiten zur direkten Konfrontation gab es vor allem am Anfang Dank einer zunächst etwas unkoordinierten Polizei einige.
Nach Ende der Redebeiträge bie der Gegenkundgebung des Antisexistischen Aktionsbündnis am Geschwister-Scholl-Platz eilten die meisten der 150 bis 200 TeilnehmerInnen zum Marienplatz, wo sich Fundis, Nazis, Antifa und AntisexistInnen mit den TouristInnen und Fußballfans mischten. Der Höhepunkt der Aktion der Klerikal-FundamentalistInnen, die Ausgabe der Kreuze wurde angesichts der unübersichtlichen Situation verlegt.
Erst im Laufe des "Marsches" gelang es der Polizei, die GegnerInnen nach und nach aus der Demo heraus zu drängen und mit der üblichen Gewalt "auf Abstand" zu halten. Dennoch wurde der "Lebensschützer"-Zug lautstark von vielen bunten und mit Kondomen bewaffneten Menschen begleitet, die die Wahlfreiheit der Frauen verteidigten.
Am Ende aber war es wie so oft: die GegnerInnen wurden in zahlreichen Polizeiaktionen auseinander getrieben und so konnten die verbliebenen AntifaschistInnen am Odeonsplatz nicht verhindern, dass sich der Neonaziblock abtrennte und geschlossen grölend zum Marienplatz zog.
Die Aktionen und die Mobilisierung gegen die Anti-Abtreibungs-ChristInnen werden - auch hier! - durchaus unterschiedlich bewertet. Während manchen Leuten die Zahl der AntisexistInnen/AntifaschistInnen zu gering erschien, bewertet das Bündnis die Mobilisierung als Erfolg. Tatsächlich hatte zu Beginn der Mobilisierung kaum jemensch mit einer derartig großen Beteiligung gerechnet. Dass auch aus dem Umland, aus Salzburg, Berlin und noch weiter Leute gegen die unheimliche und krude Veranstaltung anreisten, war kaum zu erwarten gewesen und kann nich nur auf die Tatsache zurückgeführt werden, dass FaschistInnen der kaum verholenen Einladung durch "EuroProLife" folgten.
Dass das Thema Abtreibung in letzter Zeit wieder verstärkt von fundamentalistischen Antifeministinnen in die Öffentlichkeit getragen wird, zeigt wie weit der antifeministische Rollback inzwischen gekommen ist. Dass jene AbtreibungsgegnerInnen offensichtlich auch keine Probleme damit haben sich nach ganz weit rechts zu öffnen, ist ebenfalls beunruhigend, da es den RechtsextremistInnen einen neuen Handlungsspielraum eröffnet.
Erfreulich aber ist es, dass gar nicht so wenige Menschen das Motto "mein Körper - meine Wahl" offensiv gegen diese reaktionären Kräfte verteidigten und dies auf kreative und bunte Weise taten. Erfreulich auch, dass das dafür gegründete Bündnis das Thema in der radikalen Linken etabliert hat und weiter gegen Sexismus arbeiten will. Es bleibt abzuwarten, in welcher Form dies geschehen wird aber es ein Anfang - und kein schlechter.
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