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"Leider musste ich auch nach Deutschland"
"Leider musste ich auch nach Deutschland", so der KZ-Überlebende Wassiljj Nowak am gestrigen Abend in der Münchner Seidl-Villa.
Anläßlich des Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau wurde er von der Volkshochschule nach München eingeladen. Er erzählt, wie als 17-jähriger 1942 während des zweiten Weltkriegs von den Deutschen aus seinem Heimatdorf in der Ukraine nach Deutschland verschleppt wurde, um in einem deutschen Rüstungsbetrieb Zwangsarbeit leisten zu müssen.
Beim Versuch aus einem Zug vor lauter Hunger ein paar Kartoffeln zu klauen, im März 1944, wurde er der Gestapo gemeldet und nach brutalen Verhören in mehrere Straf- und Konzentrationslager im heutigen Polen und Tschechien und schließlich ins KZ Mauthausen gebracht.
Bereits sein Vater Maxim war während des ersten Weltkrieges in deutscher Kriegsgefangenschaft nach Deutschland gebracht worden. "Leider war es mir beschieden, auf seinen Spuren zu Wandeln," so Wassiliy Nowak. Er spricht sehr ruhig, und ebenso spricht auch seine Übersetzerin sehr ruhig und deutlich. Doch man hört aus ihm heraus, was er durchgemacht haben muss. Über seine Zeit als Zwangsarbeiter sagt er:"Wir wurden sehr schlecht behandelt. Ich habe mir nicht vorstellen können, so behandelt zu werden." Die Konzentrationslager bezeichnet er als "die reine Hölle". Ein Fluchtversuch scheiterte. Spätestens im KZ Mauthausen hatte er Selbstmordgedanken, dachte daran, in den elektrischen Zaun des Konzentrationslager zu laufen. Im KZ Mauthausen musste Wassiljj Nowak mit ansehen, wie ein SS-Aufseher einem Mitgefangenen mit einem Gewehrkolben ein Auge ausschlägt, und ihn anschließend erschießt. Er musste im Steinbruch arbeiten, doch die die sogenannte Arbeit ist die reinste Folter, unter dem Gewicht der zu schleppenden Steine bricht mehrmals zusammen. Fast täglich denkt, dies könnte sein letzter Tag sein, einmal erleidet er einen Nervenzusammenbruch. Im März 1945 werden die Häftlinge auf einen Fußmarsch in Richtung Weimar und Buchenwald geschickt, doch da die Rote Armee von Osten voranrückt mussten sie wieder umkehren um schließlich am 27.April in Dachau anzukommen. Häftlinge, die während des Marsches versuchten zu Fliehen, wurden sofort von den deutschen Aufsehern erschossen. Während dieses Irrlaufs brach Typhus aus, und insgesamt kamen die Hälfte der Häftlinge bei diesen Todesmarsch ums Leben.
Endlich, am 29.April wurde auch das Konzentrationslager Dachau von den Amerikanern befreit und Wassiljj Nowak hatte überlebt. Er wurde noch einige Monate in Dachau ärztlich versorgt. Anschließend konnte er zurück in die Sowjetunion.
Wassiljj Nowak ist 2008 das erste mal in Deutschland. Er nahm allerdings bereits 2005 bei den Gedenkfeiern zum Jahrestag der Befreiung des KZ-Mauthausen in Österreich teil, wie er anmerkt. Die jungen Menschen in Deutschland könnten nichts für die Verbrechen, die ihm und anderen von Deutschen angetan worden sind, meint er auf eine Frage. Deshalb verspüre er auch keine Wut mehr. "Menschen sind eben Menschen". Aber weiter sagt er: "Ich hoffe auf die Jugend, dass sich so etwas nicht wiederholt. Nie wieder Faschismus, nie wieder Rassismus".
Er ist sehr froh, noch nach Deutschland gekommen zu sein, denn sein Gesundheitszustand ist nicht mehr der beste. Viele seiner ehemaligen Leidensgenossen sind in den letzten Jahren verstorben oder werden nicht mehr allzu lange leben.
Man merkt, dass dieser Abend sowohl für das Publikum, als auch für Wassiljj Nowak ein sehr bewegender ist.
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