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"Unsere bayerische Heimat verteidigen"
Wenn die IsentalerInnen gegen den Ausbau der A94 kämpfen, gehen Widerstand und Patriotismus Hand in Hand
Dorfen. Rund 1000 Menschen aus Dorfen und Umgebung haben am Samstag auf der Aussichtsplattform "Schwammerl" bei Dorfen gegen den Autobahnausbau durch das Isental protestiert. Mit Gerhard Polt und der Biermöslblasn bliesen die Natur- und HeimatschützerInnen der CSU und "denen da oben" buchstäblich den Marsch.
Seit 31 Jahren kämpfen die BewohnerInnen des Isentals rund um Dorfen gegen den Ausbau der Autobahn A94. Nachdem der Bayerische Verwaltungsgerichtshof Ende Oktober die Einwände der Autobahn-GegnerInnen abgewiesen hatte, fand am 18. März der feierliche Spatenstich mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Karin Roth, Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium statt. Trotz des noch anhängigen Widerspruchverfahrens von neun betroffenen BäuerInnen-Familien vor dem Leipziger Bundesverwaltungsgericht wollten Bundes- und Landesregierung offenbar Fakten schaffen.
Und so kamen am Samstag rund 1000 IsentalerInnen auf dem Hügel vor Dorfen zusammen, um gegen das Bauvorhaben zu protestieren. Mit Tracht, Bier und allerlei Blasinstrumenten sollte das "größte Autobahnpläne-Vernichtungskonzert aller Zeiten" stattfinden. Kampagensprecher Heiner Müller-Ermann betonte, dass die letzte gerichtliche Entscheidung noch aussteht: "Nicht wir haben in den letzten 30 Jahren den Autobahnausbau unmöglich gemacht, sondern die Planer, die stur an einer schlechten Lösung festhalten, die bis heute vierzehnmal geändert werden musste. Plötzlich aber kann die Autobahndirektion nicht mehr die wenigen Monate bis zur Entscheidung in Leipzig warten." Schließlich wünschte der SPD-Stadtrat vor dem wohl überwiegend katholischen Publikum den "hohen Herren da oben" das Fegefeuer.
Ansonsten fiel in den Beiträgen auf der Bühne gefühlte 500 mal der Begriff "Heimat". Eine Heimat, die gegen die "Bürokraten" und "Politiker" vorallem aus der CSU verteidigt werden müsse. Immerhin, so Stofferl Well von der Biermöslblasn, habe mensch erste Erfolge zu verbuchen: "Wir haben die CSU unter 100 Prozent gedrückt". Mit ihren derben Gstanzln, aber auch mit dem teils fast fortschrittsfeindlich anmutenden Song "Pfiati Gott", der das Verschwinden altbayerischer Kultur zugunsten kapitalorientierter Konzerne beklagt, traf die Kapelle den Nerv des Publikums.
Gerhard Polt reflektierte im Stil eines Schulaufsatzes über den Heimatbegriff und konnte damit immerhin einige Kritik anbringen, wenngleich auch er natürlich im Rahmen dessen blieb, was mann hier erwartete. Zum Abschluss wurden dann unter großer Beteiligung verschiedenster Instrumente einige Märsche gespielt. Die Bayernhymne durfte da natürlich nicht fehlen. Einzig die - der demokratischen "Orchester"-Besetzung geschuldeten - schrägen Töne aus dem Publikum machten die patriotische Musikveranstaltung annähernd erträglich.




