| |
Studenten diskutieren über Antifaschismus
Eigentlich müsste dieser Artikel ganz wo - besser ganz wann - anders anfangen aber dann würde wohl ein Buch daraus. Nicht, dass sich in den letzten Jahren bei den Münchner Studierenden soviel Außerordentliches bewegt hätte, denn das Gegenteil ist viel mehr der Fall, sondern die vielen Details sind es, die ein Bild abgeben über „die Studierenden“. Eines davon ist die nun schon vier Jahre währende Diskussion um ein Antifaschismusreferat in der Studierendenvertretung der Uni München. So lange gibt es das einst sehr umtriebige und mitgliederstärkste Referat der Studierendenvertretung schon nicht mehr.
Der Grund war gerade hier nicht die mangelnde personelle Unterstützung durch Studierende oder die Einbindung in überuniversitäre Strukturen sondern die AntiAntifa-Einstellung oder zumindest die totalitarismustheoretische Position der Mehrheit der Studierenden und ihrer Vertreter. Zudem kamen viele nicht mit einem ernst gemeinten Antifaschismus klar, der nicht umhin kommen kann auch die herrschenden Verhältnisse zu hinterfragen und zu kritisieren.
Obwohl nun die Studierendenvertretung von rechts neu besetzt und der AStA abgewickelt wurde, gibt es offensichtlich immer noch scheinbar Unbelehrbare, die nach wie vor ein antifaschistisches Engagement der Studierendenvertretung für notwendig erachten. Auf das Ansinnen wieder ein Antifareferat einzuführen wurde erstmal mit großen Bedenken reagiert und ein Arbeitskreis eingerichtet, der eine solche Notwendigkeit prüfen und für eine solche Arbeit einen Rahmen abstecken sollte. Inzwischen liegt ein Antrag dazu beim „Konvent der Fachschaften“ (höchstes Gremium der Studierendenvertretung) und lautet:
Der Konvent möge beschließen, dass sich die Studierendenvertretung als Organ ausdrücklich gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus wendet, über solche Tendenzen informiert und gegen sie vorgeht.
"Der Konvent möge beschließen, dass das Antifaschismusreferat dem Konvent zuarbeitet und im Rahmen seiner Möglichkeit Veranstaltungen (Informationsveranstaltungen, Filmabende etc.) organisiert, dies diene der politischen Bildung und der Schaffung eines Diskussionsrahmens.
Der Konvent möge beschließen, dass zum Zwecke der antifaschistischen Arbeit Veranstaltungen außeruniversitärer Gruppen unterstützt werden können und die Zusammenarbeit mit ihnen möglich sei."
Dieser Antrag soll nun in der Fachschaften diskutiert werden, um ihn anschließend auf dem Konvent abzustimmen. Dies geschieht wie eh und je mal mehr, mal weniger, mal kontroverser mal einmütiger. Die Fachschaft Informatik bietet dazu dankenswerter Weise ein öffentliches Forum unter: Quelle: www.die-informatiker.net/topic/Studium/Gehoert_Antifaschismus_zur_Studierenden-_Vertretung/9231
Hier wird die Frage gestellt:
Soll diesen Anträgen zum antifaschistischen Engagement der StuVe zugestimmt werden?
Das Ergebnis weist bisher folgende Zahlen aus:
Online-Voting
Ja
27% [11]
Enthalte mich
00% [00]
Nein
72% [29]
Stimmen insgesamt :
99% [40]
Naja, das ist nicht sonderlich überraschend wenn mensch die Diskussionen der letzten Jahre und den gesellschaftlichen Rechtsruck mitbekommen hat. Interessant ist jedoch der Diskussionsthreat in dem sich die Herren Informatiker in so allerlei Fragen selbst bestätigen. Dabei handelt es sich wahrscheinlich nicht um Rechtsradikale, sie sind auch keine repräsentative Stichprobe unter den Studierenden aber hier zeigen sich schon was sich auch alles an Stumpfsinn bei der elitären Mitte der Gesellschaft tummelt. Um das einmal pointiert aufzuzeigen finden sich nachfolgend bewusst gewählte Zitate aus der Diskussion der Informatiker, eine Kommentierung erübrigt sich:
„Ganz sachlich gemeint: [...] allgemeine Behandlung von "Extremismus"[...] auch Linksextremismus, [...] Inländerfeindlichkeit.[...]. Toleranz, [...] frei von Vorurteilen und Klischees„
(Heiko)
„[...] ist rechts genauso wie links und alle anderen politischen Richtungen eine (mehr oder weniger) freie Entscheidung jedes Einzelnen. [...] Informations-Abende [...], die rechtes Gedankengut als Unrecht abstempeln wollen, [...] kann ich [...] nicht gut heissen.“
(anonym)
„Im großen und ganzen stimme ich den Posts bis jetzt zu. [...] bei tatsächlichen [...] linksextremistischen [...] Vorfällen muß auch ohne expliziten Grundsatzbechluss gehandelt werden, unabhängig von der Art des Vorfalls“.
(rigid)
„Ich würde [...] Linksextremismus in sofern noch mit einbeziehen, als dass es [...] "nicht in Ordnung sind", [...] halt Hetzjagden oder willkürlicher Vandalismus [...].“
(Heiko)
„Ich habe nichts dagegen, sich auch gegen Linksradikalismus zu wehren, ich finde es nur generell gut, dass man sich vehement gegen den ganzen verbleibenden Gedankenmüll ausspricht [...] denn die Abneigung gegen Rechts- und Linksextremismus ist sinnvoll [...] und man sollte mit allen Mitteln dafür sorgen, dass das auch so bleibt.“
(schoppenhauer)
„der Konvent möge doch bitte viel lieber beschließen, dass das übergeschlechtliche grammatikalische Maskulin existenzbedroht ist, und deswegen zu erhalten gilt. [...] Schade um die deutsche Sprache.“



Leser_innenbrief schreiben