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Spaltet sich Indymedia Deutschland?
Wollen seperatistische Schwaben ihr eignes imc oder sind sie Pioniere einer überfälligen Entwicklung, die andere nationale imc schon längst hinter sich haben?
Für viele, vornehmlich links-politisch aktive, Menschen ist Indymedia (imc) eine nicht mehr wegzudenkende Informationsquelle gegenüber der gleichgeschalteten, bürgerlichen Presse geworden. Indymedia ist eine Internetplattform, die jeder und jedem in einem bestimmten politischen Rahmen die Möglichkeit gibt eigene Artikel zu veröffentlichen. Kontrollinstanz ist eine denzentrales, vernetztes Moderationskollektiv, das im Sinne der Projektgrundsätze "zensiert". Indymedia gibt es nicht nur in Deutschland sondern auf der ganzen Welt inklusive einer internationalen Seite sowie diverser angegliederter Projekte, wie Video oder Radio. Wer das Medium nutzt dem ist nicht entgangen, dass es dort immer wieder zu heftigen Diskussionen gekommen ist, die auch zum Abschalten einzelner Angebote (z.B. imc Schweiz) führten. Bei Indymedia Deutschland (de.imc) gibt es die meisten Diskussionen um die Zensurtätigkeit der ModeratorInnen, bei denen wenig Transparenz und wahlweise antiimperialistische oder antideutsche Beweggründe unterstellt werden. Gefährdet war das Projekt, wie z.B. in Polen, wo Nazis einen Unterwanderungsversuch starteten, bisher nicht. Nun scheint sich allerdings eine neue Diskussion zu entspinnen und die hat mit inhaltlichen und strukturellen Gründen zu tun.
Berlin, Berlin kein Mensch will nach Berlin!
Nach einigen Querelen im Moderationskollektiv, wurden anscheinend die schwäbischen ModeratorInnen gegangen, und die wollen nun ihr eigenes linksunten.imc aufmachen. D.h. sie wollen nicht das Netzwerk verlassen sondern sich einfach nicht mehr mit BerlinerInnen darüber auseinander setzen müssen, ob ein Transparent an der Stuttgarter Autobahn von nationalem Interesse ist oder nicht. Kindisch? Nicht ganz, wer länger de.imc liest wird unzweifelhaft feststellen, dass dort viele arrogante Oberchecker mit dicker Hose, die meinen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, schreiben. Und sehr viel kommt dabei aus dem Norden, vornehmlich Berlin. Das zeigt sich z.B. darin, dass Berliner AutorInnen selten den Namen der Stadt angeben über die sie schreiben oder ganz selbstverständlich angenommen wird, dass der Rest der Berliner Republik den dortigen Szenejargon versteht. Nun gibt es zweifelsohne sehr gute und interessante Artikel von dort, aber dazu kommen eben auch sehr viel schlechte, gedoppelte oder einfach inhaltslehres Herumgeschimpfe.
Wer das nicht glaubt, kann ja einmal die Berichterstattung zum 1. Mai auf Indymedia verfolgen. Doch das lässt sich mit erlernter (Indy-) Medienkompetenz wettmachen, dass aufwendig recherchierte Artikel aus unterrepräsentierten Regionen in der mehr oder weniger gehaltvollen Informationsflut aus Norddeutschen Metropolen untergehen hingegen nicht.
Hinzu kommt, dass sich in schöner Regelmäßigkeit, meist in den Artikelergänzungen, letztendlich rassistische, Anfeindungen gegen Bayern oder Schwaben finden lassen, egal ob sie nun in ihren "Stammesgebieten" zu Gange sind oder ob sie, als Studierende, als dekandente, reiche Bürgerkids oder erlebnisorientierte Landeier die ach so tolle Hauptstadt Berlin "überfremden". Ähnlich ergeht es auch anderen AutorInnen, wenn Aktionen in der Provinz von großstädtischen Großmäulern herabgewürdigt werden. Dass, dies so ist mag vielleicht auch an der Zusammenstzung des Kollektivs hinter de.imc liegen.
Doch reicht das aus, um sein eigenes imc aufmachen zu müssen oder wird damit nicht eher das Gemackere aus einer Hauptstadt, die niemand braucht, reproduziert.
Ob arrogantem Gemacker, kulturimperialistischem Preußentum, narzistischer Großmeierei und großdeutscher Selbstüberschätzung damit ein Riegel vorgeschoben wird, darf bezweifelt werden.


